Kompromisslose Aerodynamik trifft auf wahnsinnigen Komfort!
VORTEILE
- Aerodynamik
- Komfort
- Durchlüftung
- Highbar System
- MIPS Air Node
- Optik
NACHTEILE
BEWERTUNG


Griasts eich!
Ich habe mich die letzten Wochen wieder im High-End-Segment der Rennradprodukte bewegt. Das finde ich immer extrem spannend, wenn man Produkte mit neuen Technologien testen kann. Ist einfach trotz der vielen Produkttests, die man schon gemacht hat, immer wieder spannend. Wir reden hier heute über Rennradhelme, und bei diesen muss man dann doch oftmals einen Kompromiss eingehen: Entweder maximale Aerodynamik oder optimale Belüftung.
Der Canyon Stingr CFR kann beides, und schließt genau diese Lücke. Canyon ist bestimmt vielen von euch ein Begriff, da die Räder des Herstellers aus Koblenz auch von UCI-World-Tour-Teams gefahren werden. Also gleich die Tour de France einschalten, dann wisst ihr, wovon ich spreche. Die CFR-Linie steht bei Canyon für Canyon Factory Racing und ist deren High-End-Linie.
In dem Fall des Stingr hat der Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno bei der Entwicklung unterstützt und getestet, aber er wurde auch von Carolin Schiff beim Traka-200-Gravelrennen getragen. Finde ich dann super spannend zu sehen, was der Helm kann, wenn er den Anforderungen der Profis entspricht.
Auf der Jagd nach weiteren Watteinsparungen, habe ich mir den Aero-Helm dann mal genauer angesehen. Die Wahl fiel bewusst auf die weiße Ausführung – nicht nur aus einem Faible für einen cleanen Look zu den weißen Schuhen, sondern auch als funktionales Hitzeschild für lange, intensive Ausfahrten.
Wir starten direkt mit den beiden Punkten, die beim Stingr keinen Kompromiss erfordern.

Die Aerodynamik
Wer den Helm anschaut, sieht gleich: Die Form ist einfach auf Speed ausgelegt. Auf temporeichen Flachpassagen mit rund 48 km/h und bei rasanten Abfahrten in Südtirol und Frankreich, wo der Fahrradcomputer Geschwindigkeiten von über 85 km/h anzeigte, spielte der Helm seine Stärken voll aus.
Wenn man im Unterlenker liegt, integriert sich der Helm nahtlos in die aerodynamische Silhouette. Was mich dabei auch besonders beeindruckt hat, ist, dass Windgeräusche durch das aerodynamisch optimierte Design des Helms so gut wie nicht vorhanden sind. Das sorgt nicht nur für mehr Ruhe auf dem Rad, sondern ist auch ein klares Indiz für einen extrem sauberen Luftstrom ohne störende Verwirbelungen.
So können laut Canyon ab 50 km/h 7 Watt eingespart werden. Klar, das ist für mich jetzt schwierig zu messen. Aber ich habe an meinem Rennrad und in meinem Set-up ja auch etwas upgegradet und somit überall ein paar Watteinsparungen. Und ich denke, das summiert sich dann schon auch auf.


Belüftung und Klimamanagement
Ich würde mal behaupten, klassische Aero-Helme neigen dazu, an langen Anstiegen zum sprichwörtlichen Backofen zu werden. Canyon hat hier mit tiefen internen Luftkanälen hervorragend gearbeitet, was der Helm bei gnadenlosen Extremtemperaturen von 45 Grad in Frankreich eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Die einströmende Luft wird gezielt über den Kopf geleitet und zieht die Hitze effizient nach hinten aus den markanten Auslassöffnungen ab. In Kombination mit der reflektierenden weißen Farbe bleibt der Kopf selbst bei solchen Extrembedingungen erstaunlich kühl. Hier war ich wirklich beeindruckt, da er viel weniger Lüftungsschlitze hat als zum Beispiel mein POC Ventrail Air.
Aber man merkt hier keinen Unterschied, er belüftet super und es brennt einem auch nicht die Sonne auf die Haare. Durch meine längeren Haare hatte ich bei dem POC-Helm auch immer das Problem, dass sich lauter Insekten darin verfangen haben. Das ist beim Stingr noch kein einziges Mal passiert.
Sicherheit dank MIPS Air Node
Im Hinblick auf den Schutz kommt das MIPS-Air-Node-System zum Einsatz. Für alle, die sich fragen, wie das funktioniert: MIPS (Multi-Directional Impact Protection System) wurde entwickelt, um das Gehirn bei einem Sturz vor gefährlichen Rotationskräften zu schützen.
Wenn der Kopf bei einem Unfall in einem schrägen Winkel aufschlägt, erlaubt eine spezielle, reibungsarme Schicht im Helm eine minimale Gleitbewegung (etwa 10 bis 15 Millimeter) in alle Richtungen. Dadurch wird die Rotationsenergie abgebaut, bevor sie auf das Gehirn übertragen wird. Der Clou beim Stingr CFR: Im Gegensatz zu älteren, oft dickeren MIPS-Generationen ist diese reibungsmindernde Schicht beim Air Node direkt in die weiche Polsterung integriert. Das spart spürbar Gewicht, erhält die exzellente Belüftung aufrecht und sorgt für ein unglaublich angenehmes Tragegefühl.



Wahnsinnig gute Passform dank High-Bar-System
Beim ersten Aufsetzen fällt sofort das High-Bar-System auf. Diese Alternative zur Gurtkonstruktion ist anfangs etwas ungewohnt, da es sich hierbei um einen Bügel handelt, den man zum Aufsetzen an die Stirn klappt, und wenn man den Helm aufhat, unter das Kinn klappt und festzieht, mit dem gleichen Drehverschluss, wie man ihn vom Hinterkopf gewöhnt ist.
In der Praxis erweist sich diese neue Technologie als genialer Gamechanger, da sie extrem komfortabel und jederzeit während der Ausfahrt anpassbar. Ein entscheidendes Detail ist auch, dass die Bügel der Rennradbrille hier nicht wie sonst üblich über dem Gurtsystem verlaufen, sondern unter dem High-Bar-System. Das sorgt für einen absolut wackelfreien, perfekten Sitz der Brille, ohne unangenehme Druckstellen an den Schläfen.
Abgerundet wird die exzellente Passform durch das Drehverschlusssystem am Hinterkopf, das den Helm sehr genau am Kopf fixieren lässt. Tatsächlich habe ich letztens einmal vergessen, das High-Bar-System unters Kinn zu klappen. Hat sich schon irgendwie ungewohnt angefühlt, weil das ja dann an der Stirn ist, aber irgendwie ist es mir nicht direkt aufgefallen. Vermutlich, weil der Helm einfach bombenfest auf dem Kopf saß. Aber natürlich ist es total wichtig, den High-Bar runterzuklappen, bei einem Sturz würde man den Helm auf jeden Fall verlieren.


Die Optik
Ja, wie bereits angesprochen, habe ich mich für die weiße Variante in der Größe L entschieden. Der Helm ist stromlinienförmig mit Lufteinlässen vorne und Luftauslässen hinten. In die vorderen seitlichen Lufteinlässe passt hervorragend die Rennradbrille rein, sitzt bombenfest. Mir gefällt der Helm persönlich sehr gut. Ich würde sogar so weit gehen, dass es der schönste Aerohelm ist. Die Form sieht einfach getragen super aus! Und klar, das High-Bar-System fällt natürlich auch direkt auf und sticht ins Auge. Zur Verarbeitung kann ich nur sagen, dass diese einwandfrei ist, nichts zu bemängeln. Die EPS-Schale ist sogar an den Kanten überall verblendet.
Fazit
Der Canyon Stingr CFR ist ein echtes Statement. Er richtet sich an ambitionierte Fahrer, die bei der Aerodynamik keine Kompromisse eingehen wollen, aber dennoch einen Helm suchen, der bei hohen Temperaturen und eben auch hohen Geschwindigkeiten und schnellem Abfahren zeigt, was er kann. Die Watteinsparung bei hohen Geschwindigkeiten ist auch für Hobbyfahrer ein Plus. Das innovative High Bar System und das unsichtbar integrierte MIPS-Air-Node-Polster heben den Tragekomfort auf ein neues Level. Eine klare Empfehlung für alle, die ihr Set-up wie ich immer weiter optimieren möchten.
Pfiats eich!

